Jeder kennt sie, die Bilder der unglaublichen norwegischen Landschaft. Schier unendliche Fjorde wechseln sich ab mit beeindruckenden Bergmassiven und Wäldern, in denen man auch heute noch Elche, Bären und Vielfraße finden kann. Ein Ausflug zum Gletscher, eine Rafting-Tour auf einem Bergfluss, oder auch ein gemütlicher Spaziergang entlang der Apfelplantagen im Süden – in Norwegen ist das alles gar kein Problem. Die Webseite Visit Norway wirbt nicht umsonst mit dem Slogan: „Norway – Powered by Nature„!

Das einzige Manko: Wer alle Schönheiten des Landes entdecken will, braucht viiiieeeel Zeit. Die haben die meisten aber nicht. Wie ihr das Beste aus eurem Norwegen-Urlaub herausholt, möchte ich euch heute zeigen. Dafür habe ich zwei beliebte Fortbewegungsmittel getestet: Nach der Ankunft in Oslo bin ich zunächst mit dem Zug in die schöne Stadt Bergen gereist, nach einem kurzen Aufenthalt hier ging es dann mit dem Mietwagen entlang der Fjorde, Wasserfälle und Schluchten wieder zurück Richtung Oslo.

Unglaubliche Landschaften in Norwegen

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In der Bergenbahn: Südnorwegen im Zeitraffer

Wenig Zeit für viel Landschaft? Dieses Problem löst die Bergenbahn. Und das einfach perfekt. Wer in der Economy Klasse reist, zahlt mit Frühbucherermäßigung keine 35€ pro Strecke. Für sechseinhalb Stunden Fahrt ein guter Preis. Für einen Platz in der Komfort Klasse muss man ein paar Norwegische Kronen mehr auf den Tisch legen, doch dafür gibt es hier mehr Beinfreiheit und Kaffee und Tee gratis dazu. Es gibt (wie fast überall im Land) freies WLAN und für die Kinder wird im eigenen Spielwagen bestens gesorgt. Einige Wagen weiter wartet dann noch der Speisewagen, der mit seinen roten Sitzgruppen ein wenig an ein amerikanisches Diner erinnert.

 

Die Fahrt der Bergenbahn führt aus Oslo heraus hinauf in Europas höchst gelegene Hochebene, die Hardangervigga. Der Bahnhof Finse befindet sich auf 1222 Metern Höhe, hier liegt sogar im Juni noch jede Menge Schnee. Auf dem Weg hinauf in die Hochebene schlängelt sich der Zug durch eine wunderschöne Landschaft. Abwechselnd geht es entlang der Fjorde, vorbei an den hübschen farbenfrohen Holzhäusern und durch die Wälder und Wiesen, auf denen Pferde grasen. Besonders in Erinnerungen geblieben ist mir übrigens der Wintersportort Geilo. In erster Linie natürlich wegen des Namens ;), doch auch die Holzhütten, die Skipisten und die Seen machen diesen Ort zu einem echten Highlight. Im Winter geht hier die Post ab. Nach einem langen Aufstieg zum verschneiten Bahnhof Finse kämpft sich die Bergenbahn die Hochebene langsam wieder hinab. Mehrere gemütliche Stunden mit fantastischen Aussichten später kommt die Bahn schließlich in Bergen an.

 

Die Fahrt mit der Bergenbahn ist der perfekte Start in eine Norwegen-Tour. Hier bekommt man einen ersten Eindruck davon, wie vielfältig, abwechslungsreich und beeindruckend die Landschaft ist. Die Neugier steigt – jetzt geht es ab in die Natur!

Mit dem Mietwagen durch Norwegen

Nach einem Tag Sightseeing in Bergen soll es endlich losgehen – die Natur ruft. Die Abholung des Mietwagens am Flughafen in Bergen ist gar kein Problem. Das Büro von Sixt befindet sich direkt im Eingangsbereich, die Mietwagen parken einige hundert Meter entfernt. Innerhalb weniger Minuten sind alle Formalitäten geklärt und schon kann die Reise starten. Der neuwertige VW Golf, den ich bekomme, eignet sich für mein Vorhaben sehr gut – klein und wendig schlängelt er sich durch die engen Bergstraßen und hat genug PS, um auf der Autobahn auch mal schnell kurz bis zum Tempolimit zu beschleunigen. Auch Innenraum und Ausstattung erleichtern die Fahrt, gerade der Tempomat und die Automatikschaltung sind in Norwegen Gold wert. Lange Fahrtzeiten von 2-3 Stunden lassen sich so ohne Probleme relaxt überstehen.

Mein Plan ist es, von Bergen ganz entspannt Richtung Süden zu fahren. Vorher jedoch ist noch ein kleiner Schlenker Richtung Eidfjord und zum Vøringfossen, einem der größten Wasserfälle Norwegens, eingeplant.

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Von da aus geht es dann Richtung Odda. Ganz in der Nähe der Stadt befindet sich die Trolltunga, der wohl berühmteste Felsvorsprung der Welt. Danach führt mich die Reise Richtung Preikestolen. Die Felskanzel steht bereits seit Jahren auf der Liste der Orte, die ich unbedingt noch einmal gesehen haben muss. Nach dieser Wanderung habe ich keine konkreten Ziele mehr. Ich habe mir vorgenommen, einfach entlang der Küste Richtung Kristianssand zu fahren und dort zu übernachten, wo es mir besonders gut gefällt. Nach sechs Tagen und 1300 Kilometern geht dann schließlich mein Flieger zurück nach Deutschland.

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Reiseroute: Bergen – Eidfjord – Børve – Odda – Jørpeland – Høllen – Oslo

Tipps rund ums Auto fahren in Norwegen

Auto fahren in Norwegen ist extrem entspannt, es wird selten gehupt und alle Fahrer halten sich ans vorgeschriebene Tempolimit. Rasen ist teuer – schon wer 6-8 km/h zu schnell fährt, muss 80€ zahlen. Bei einem Tempoverstoß von mehr als 36 km/h werden bis zu 1040€ verlangt.

Auf vielen Routen wird eine Maut fällig – alle Mietwagen von Sixt haben einen Chip verbaut, der von den Mautstellen automatisch registriert wird. Die Kosten werden dann im Nachhinein verrechnet. Hier sieht man an jeder Ecke, wohin die Mautgebühren fließen – die Straßen sind sehr gut ausgebaut und ständig werden die Fahrbahnen erneuert. Tanken ist in Norwegen übrigens etwas teurer als in Österreich. Ein Liter Diesel kostet hier rund 1,60€. Mein sparsamer Kleinwagen kommt mit einer Tankfüllung rund 850 Kilometer weit.

Entlang der Fjorde schlängeln sich die Straßen eng am Berg entlang, da kann es bei Gegenverkehr auch schon mal eng werden, denn gerade hier sind natürlich viele Wohnmobile unterwegs. Gelegentlich spannen sich über das Wasser gewaltige Brücken, doch in den meisten Fällen gibt es Fähren, die Autofahrer und Fußgänger hinüber bringen. Diese kosten eine kleine Gebühr, doch die Überfahrt lohnt sich allein wegen der Aussicht doppelt.

 

Landschaft, die sprachlos macht

In Norwegen gilt das Gleiche, wie auch in den USA: Der Weg ist das Ziel. Meist gibt es am Straßenrand ganz zufällig etwas Außergewöhnliches zu sehen und schon legt man eine kleine Pause ein. Hier stolpert man mit etwas Glück immer wieder über echte Naturwunder. Auf der Strecke von Odda nach Jørpeland ist es zum Beispiel der Låtefossen, ein zweigeteilter Wasserfall, den man einfach im Vorbeifahren entdeckt. Es gibt einen kleinen Parkplatz und eine kleine Hütte, in der man Souvenirs kaufen kann. Das Wasser stürzt hier so laut und tosend herab, dass man sein eigenes Wort nicht versteht. Beeindruckend!

Um mich nicht zu sehr an einen straffen Zeitplan halten zu müssen, habe ich nur die Unterkünfte für die ersten zwei Nächte im Voraus gebucht. So kann ich im weiteren Verlauf meiner Rundreise selbst entscheiden, wo es mir am besten gefällt. Spontane Hotel- und Airbnb-Buchungen sind in Norwegen gar kein Problem. Selbst einen halben Tag vor der Anreise war es noch möglich, eine kleine Hütte direkt am Meer zu mieten.

Beeindruckende Trolltunga

Mein erster Tagesausflug hat es bereits in sich: Die beeindruckende Wanderung zur Trolltunga (dt. Trollzunge), einem imposanten Felsvorsprung in der Nähe von Odda, steht auf dem Plan. Zwischen 4 und 5 Stunden dauert der Aufstieg – wer nicht ganz früh morgens los läuft, kommt schon in Zeitnot. Selbst im Juni kann man hier in den Höhen noch mit Schnee rechnen, ausreichend Wasser und Proviant sind ebenso unerlässlich wie eine gute Wanderausrüstung. Die Wanderung führt durch Moore, über Gestein, Wiesen und entlang des Wassers hoch hinauf – das rote auf Steine oder Bäume gemalte T weist Wanderern den rechten Weg. Oben angekommen bietet sich jedoch ein Anblick der Extraklasse. Trolltunga ist einer der außergewöhnlichsten Felsvorsprünge der Welt und ähnlich wie der Preikestolen ein beliebtes Fotomotiv.

 

Der Aufstieg zur Felskanzel

In Norwegen bist du ein kleines Licht, denn die Natur ist so gewaltig, dass du dich fast ein bisschen nutzlos fühlst. Genau das ist es, was man denkt, wenn man auf einem der beeindruckendsten Felsvorsprünge der Welt steht und hinunter blickt in den Lysefjord. Weit unten, rund 600 Meter unter mir, fahren Boote langsam über das tiefblaue Wasser und rundherum sitzen oder stehen andere Wanderer wie gebannt an der Klippe und genießen die Aussicht auf die Umgebung, machen waghalsige Fotos und lassen die Füße über den Abgrund baumeln.

 

Der Weg zum Preikestolen, der Felsenkanzel, ist etwas beschwerlich und immer wieder zieht eine Regenwolke über mich hinweg. Es ist nebelig, der Aufstieg ist steil und zwischendurch liegt hier und da noch etwas Schnee. Beim Aufstieg führt der Weg entlang einiger Moore, über handgehauene Steintreppen und entlang kleiner Seen. Oben angekommen bricht die Sonne durch die Wolken und erleuchtet die Felskanzel und den Fjord.

 

Traumlandschaften am Hardangerfjord

Meine Rundreise führt mich entlang des Hardangerfjords Richtung Ullensvang. Hier liegt eines der vielen Airbnbs, die man direkt am Fjord mieten kann. Aus dem Wohnzimmerfenster habe ich einen perfekten Ausblick auf das blaue Wasser des Hardangerfjords. Auf den Wipfeln liegt noch der Schnee des vergangenen Winters, Wasserfälle voller Schmelzwasser rauschen herab. Unten im Tal hingegen stehen die Apfelbäume in voller Blüte.

 

Sonnenbaden an der Südküste

Je weiter es in Richtung Süden geht, desto weniger Schnee sehe ich auf den Bergen. Die Wälder werden dichter und die Birken grüner. Die Strände an der Südküste Norwegens begeistern mit sanften Stränden und intensiv blauem Meer. In einem Häuschen am Strand lässt es sich sehr gut aushalten. Hier drehen sich die Uhren langsamer und viele Norweger nutzen ihre Freizeit für einen kleinen Ausflug mit dem Segelboot. Während man in den Fjorden die Boote an einer Hand abzählen konnte, ist hier schon etwas mehr los. Bei schönstem Sonnenschein und 23 Grad kann man hier am Strand sitzen und das Leben genießen. Nach zwei letzten Tagen im sonnigen Süden führt mich der Weg dann wieder hinauf Richtung Olso. Norwegens Natur hat mich sprachlos gemacht, das steht nach einer Woche Rundreise eindeutig fest.

 

Die Kombination aus Bahnfahrt und Mietwagen ist einfach perfekt. Bei der Bahnfahrt bekommt man einen sehr guten ersten Eindruck der Landschaft und kann entspannt aus dem Fenster schauen. Aussteigen kann man natürlich nur an den Bahnhöfen und selbst dann hat man nur wenige Minuten Zeit, sich umzuschauen, bevor es wieder weiter geht.

Ist man dann aber erstmal mit dem Auto auf eigene Faust unterwegs, kann die Rundreise richtig losgehen. Die komplette Unabhängigkeit hat man eben erst mit dem Mietwagen. Norwegen bietet hinter jeder Ecke eine neue Überraschung und die will auch gewürdigt werden. Also: Anhalten, aussteigen und genießen.