Stellt euch vor, ihr habt euren Urlaub gebucht, freut euch über den Schnäppchen-Preis und kurz vor der Reise dann der Schock: auf einmal sollt ihr doch mehr zahlen, als angenommen! Diese Alptraum-Vorstellung könnte bald wahr werden, denn ein neues Gesetz für Pauschalreisen lässt Veranstaltern die Freiheit, die Preise kurz vor der Abreise noch einmal zu erhöhen. Was es damit auf sich hat und worauf ihr jetzt bei Pauschalreisen besonders achten müsst, verrate ich euch in diesem Artikel.

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Neues Gesetz für Pauschalreisen

Was sich die EU da erlaubt hat, ist wirklich eine Gemeinheit für alle Urlauber! Die Erneuerung der Pauschalreiserichtlinie ermöglicht es Reiseveranstaltern nämlich, kurz vor der Abreise nochmal die Preise zu erhöhen. So können Pauschalreisen bis 20 Tage vor der Abreise um ganze acht Prozent mehr kosten, als man ursprünglich gezahlt hat. Hat man beispielsweise eine Reise für 3000€ gebucht, können da nochmal bis zu 240€ dazukommen. Dabei haben die Reisenden kein Recht zu widersprechen! Doch wie ist sowas überhaupt möglich? Die Preiserhöhung kann von den Veranstaltern durch verschiedene Gründe gerechtfertigt werden. Dazu gehören z.B. steigende Treibstoffpreise, höhere Abgaben am Flughafen sowie veränderte Wechselkurse. Die Reisenden dürfen die Reise in dem Fall zwar stornieren aber so kurz vor dem Reisebeginn ist es schwer, ein neues Angebot zu finden. Doch das ist noch lange nicht alles. Die neue Richtlinie erlaubt es Veranstaltern auch, Änderungen am Leistungsumfang vorzunehmen. Kleinere „unwesentliche“ Abweichungen von der gebuchten Reise müssen ebenfalls von Reisenden akzeptiert werden. Diese Änderungen kann der Veranstalter theoretisch sogar einen Tag vor dem Reiseantritt vornehmen. In diesem Fall ist es gar nicht mehr möglich, kostenlos zu stornieren.

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Die neue Richtlinie ist ganz klar ein Nachteil für Reisende, denn davor waren Preiserhöhungen beispielsweise nur bis vier Monate vor Reisebeginn möglich. Außerdem durften die Preise um maximal fünf Prozent angehoben werden – durch die Erneuerung sind es ganze acht Prozent! Diese Änderungen betreffen aber nur Pauschalreisen, Flugpreise allein dürfen beispielsweise nicht mehr geändert werden. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es dennoch: die Neuberechnung der Preise ist für Veranstalter ein großer Aufwand. Bei schwankenden Wechselkursen und Kerosinpreisen müssten die Preise immer angepasst werden, was viel Zeit und Mühe kostet. So schrecken viele Veranstalter davor zurück, zumindest bei kleinen Kostensteigerungen die Preise zu erhöhen. Zudem bietet das neue Gesetz auch ein paar Vorteile für Reisende. Kann der Urlauber beispielsweise wegen einem Gewitter nicht nach Hause fliegen, muss der Veranstalter die Kosten für den neuen Flug und bis zu drei Übernachtungen übernehmen. Außerdem zählen die einzelnen Leistungen, die bei einer Pauschalreise gebucht werden (Flug,Hotel,Mietwagen) ab dem neuen Gesetz als eine ganze Reise. So gelten die Verbraucherrechte für die komplette Reise und müssen nicht einzeln eingefordert werden. Diese Änderungen treten aber erst am 1. Juli 2018 in Kraft – bis dahin müssen sich Reisende bei der Buchung keine Sorgen machen.