Ein Fluggast wird gewaltsam aus dem Flieger befördert, weil der Flug überbucht ist – dieser Vorfall bei United Airlines sorgt seit Tagen für hitzige Diskussionen. Wie kann es überhaupt dazu kommen, dass ein Flieger überbucht wird? Und welche Rechte hat man in diesem Fall als Passagier? Ich habe mir den aktuellen Fall zum Anlass genommen und für euch die wichtigsten Fakten rund um Flugüberbuchungen zusammengetragen.

Flieger überbucht – Was nun?

Gründe für eine Überbuchung | Rechte und Ansprüche

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Flieger überbucht – Wie kommt’s dazu?

Nach dem Skandal um United Airlines fragen sich viele Menschen – wie kann es überhaupt dazu kommen, dass ein Flieger überbucht ist? Airlines vergeben meist mehr Plätze als vorhanden, weil nicht alle Fluggäste tatsächlich erscheinen. Die optimale Auslastung für ein Flugzeug wird dabei mithilfe von alten Buchungsdaten und Prognosemodellen ermittelt. Flüge mit einer hohen „No-Show“ Rate werden demnach um bis zu 15 Prozent überbucht. So kann es dazu kommen, dass manche Passagiere ihren Flug nicht antreten können bzw. sogar den Flieger verlassen müssen. Jedoch halten Airlines die Anzahl der abgewiesenen Fluggäste so gering wie möglich. Zum Vergleich: im Jahr 2009 sind durch Überbuchung etwa 300.000 Passagiere befördert worden. So standen jedem abgewiesenen Fluggast etwa acht durch Überbuchung zusätzlich beförderte Passagiere gegenüber. Doch welche Rechte hat man eigentlich als Fluggast, wenn man den Flug aufgrund von Überbuchung nicht antreten kann?

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Rechte und Ansprüche bei Überbuchung

Bei Flugüberbuchungen gilt in erster Linie das „First come, first serve“ Prinzip. Wer früh genug eingecheckt hat, darf auch mitfliegen. Doch oft werden Passagiere auch gefragt, ob sie freiwillig zurücktreten möchten. Als Gegenleistung gibt es meist Fluggutscheine, Geldzahlungen oder ein Ticket für den nächstmöglichen Flieger. Falls ihr angeboten bekommt, im nächsten Flieger mitzufliegen, solltet ihr euch das Ticket gleich ausdrucken lassen oder auf eine schriftliche Zusage bestehen. Die Wartezeit auf den nächsten Flug könnt ihr im Flughafenrestaurant überbrücken, jedoch solltet ihr euch nicht darauf verlassen, dass die Airline die Verpflegungskosten übernimmt. Gerade wenn ihr freiwillig vom Flug zurückgetreten seid, habt ihr keinen Anspruch darauf. Jedoch könnt ihr die Belege trotzdem aufheben und einschicken, denn viele Airlines sind in diesem Punkt sehr kulant, vor allem wenn die Wartezeit lang ist.

Wenn sich keiner der Passagiere darauf einlässt, freiwillig auf den Flug zu verzichten, wird’s für die Airline brenzlig. Passagiere, die nicht mitfliegen dürfen haben nämlich Anspruch auf Ausgleichszahlungen zwischen 250€ und 600€. Dabei kommt es auf die Flugentfernung an und ob ihr Flug innerhalb der Europäischen Union oder zwischen einem EU-Land und einem Nicht-EU-Land stattgefunden hätte. Zudem spielt auch die Länge der Wartezeit eine Rolle. Wenn diese nicht mehr als zwei Stunden beträgt, bekommt man nur die Hälfte vom Geld. Aber dafür muss die Airline die Verpflegungskosten sowie mögliche Hotelaufenthalte übernehmen. Aus diesem Grund sollte man sich alle Belege aufheben und später einreichen.

Wie ihr seht, gibt es galantere Wege eine Flugüberbuchung zu regeln ;-) Im Fall von United Airlines darf sich der Passagier übrigens höchstwahrscheinlich auf ein saftiges Schmerzensgeld freuen.