Fluggastrechte einfordern

Wann erhält man eigentlich eine finanzielle Entschädigung?

Flugverspätungen und Flugannullierungen sowie Nichtbeförderung wegen Überbuchungen sind bei Airlines keine Seltenheit. Die Fälle sind ein besonderes Ärgernis für die Fluggäste. Sie verpassen eventuelle Anschlussflüge, haben lange Wartezeiten an Flughäfen und kommen erst später im Urlaubsort an. Die Wenigsten wissen, dass sie Fluggastrechte haben. In vielen Fällen von Flugverspätungen, Flugausfällen und Nichtbeförderungen haben sie einen Anspruch auf Entschädigung. Diejenigen, die ihre Fluggastrechte kennen, gehen gegen die Airlines vor, um Entschädigungen zu erzielen. Das stellt sich oftmals als Mammutaufgabe heraus. Die Airlines zahlen ungerne Entschädigungen. Viele Airlines reagieren nicht auf Forderungsschreiben und in zahlreichen Fällen ziehen die Flugpassagiere vor Gericht. Das heißt für die geschädigten Fluggäste: Prozess- und Gerichtskosten sowie Kosten für den Anwalt. Des Weiteren kostet der Aufwand viel Kraft, Zeit und Nerven. Das sind ausschlaggebende Gründe, warum Geschädigte nicht um ihre Fluggastrechte kämpfen. Damit die Airlines nicht verschont bleiben und zur Rechenschaft gezogen werden, gibt es die sogenannten Fluggasthelfer. Sie setzen sich für eure Fluggastrechte ein und klagen, wenn nötig, eure Entschädigungen vor Gericht ein.

Was sind Fluggastrechte?

Laut der europäischen Fluggastrechte-Verordnung habt ihr Anspruch auf Entschädigung, wenn euer Flug eine Verspätung von mehreren Stunden hat, ausfällt oder ihr aufgrund einer Überbuchung nicht von der Airline befördert werdet. Diese Fluggastrechte gelten, wenn ihr Passagiere von Flügen innerhalb der EU seid oder wenn die Flüge von Fluggesellschaften durchgeführt werden, die ihren Unternehmenssitz in der EU, der Schweiz, in Island oder Norwegen haben. Als Beispiel: Ihr wollt von Wien nach Palma de Mallorca reisen. Euer Flug startet allerdings vier Stunden später als geplant. In der Regel habt ihr dann einen Anspruch auf Entschädigung. Gleiches gilt, wenn der Flug annulliert wird oder er überbucht ist und ihr nicht befördert werdet.

Fluggastrechte – Fälle:

    • Verspätungen
    • Flugannullierung
    • Nichtbeförderung bei Überbuchung

Ausnahmen bestätigen die Regel. Ist nicht die Airline Schuld an der Verspätung oder dem Flugausfall, greift die EU-Fluggastrechte-Verordnung nicht. Stattdessen kann es sich um außergewöhnliche Umstände wie politische Instabilität, Wetterbedingungen, Sicherheitsrisiken, unerwartete Flugsicherheitsmängel und Streiks handeln. Tritt einer dieser Fälle ein, ist es schwer eine Entschädigung der Airline zu erzielen.

Handelt es sich um einen Fluggastrechte-Fall und ihr habt Anspruch auf eine Entschädigung, muss die Airline pauschale Ausgleichsleistungen zahlen. Die Höhe der Entschädigung hängt von der Länge der Flugstrecke ab. Dabei differenziert die europäische Fluggastrechte-Verordnung zwischen Kurzstrecken bis 1.500 Kilometer, Mittelstrecken innerhalb der EU bis 3.500 Kilometer und Langstrecken über 3.500 Kilometer. Je länger die Flugstrecke ist, desto höher fällt die Entschädigungssumme aus.

Höhe der Entschädigung in Abhängigkeit von der Flugstrecke

Flugstrecke pauschale Entschädigung
kürzer oder gleich 1.500 km 250€
kürzer oder gleich 3.500 km innerhalb der EU 400€
länger als 3.500 km außerhalb der EU 600€
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Beispiel Flugstreichung WizzAir

Die Fluggesellschaft WizzAir hat aus dem Sommerflugplan 2022 viele Destinationen und Flüge gestrichen. Darunter befinden sich auch beliebte Destinationen wie Heraklion, Rhodos, Mykonos, Santorini oder Palma de Mallorca.

Wenn euch ein bereits gebuchter Flug gestrichen wurde, dann habt ihr ein Recht auf einen Alternativflug. Oftmals wird dann Hilfe von einem Fluggasthelfer  bzw. von einem Anwalt notwendig sein. Je nachdem, wieviel euer Flugticket gekostet hat, kann es sich lohnen, um eine Entschädigung zu kämpfen.

Fluggasthelfer – diese Webseiten helfen euch weiter

Jedes Jahr fallen an europäischen Flughäfen zig Flüge aus und zahlreiche Flüge haben eine signifikante Verspätung. Die Überbuchung ist bei vielen Fluggesellschaften Gang und Gebe, um eine möglichst große Auslastung zu erreichen. Das wird zu einem Problem, wenn Flugpassagiere aufgrund einer Überbuchung nicht mitfliegen können. All das sind Fälle für das Fluggastrecht, das Entschädigungen vorsieht. Um die Airlines nicht davonkommen zu lassen, gibt es die Fluggasthelfer. Diese Fluggastrechte-Portale unterstützen euch dabei eure Fluggastrechte einzufordern beziehungsweise nehmen die Fälle für euch in die Hand.

Hierhin könnt ihr euch wenden, wenn ihr Unterstützung braucht:

Unter den Fluggastrechte-Portalen gibt es unterschiedliche Geschäftsmodelle. Das klassische Modell erkämpft für Kunden die Entschädigung und zahlt sie daraufhin an die geschädigten Flugpassagiere aus. Die neueren Unternehmen auf dem Markt, überwiegend Start-ups, werben mit einer Sofortentschädigung. Die Fälle werden in wenigen Minuten kostenlos geprüft und innerhalb weniger Stunden ist die Entschädigung auf eurem Konto. Das klassische Geschäftsmodell verfolgen Flightright und Flugrecht.de.

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Wie funktionieren die Verbraucherportale für Fluggastrechte?

Grundsätzlich arbeiten die Verbraucherportale für Fluggastrechte ähnlich. Zunächst prüfen sie kostenlos den Fall, ob der Anspruch gerechtfertigt ist und wie hoch die Entschädigungssumme ist. Dafür benötigen sie eure Daten. Dazu gehören beispielsweise der Ab- und Ankunftsflughafen, die Länge der Flugstrecke und ob es ein Direktflug war. Einige Portale stellen euch auch eine Flugnummer-Suchfunktion zur Verfügung. Für die Einschätzung und Prüfung des Anspruchs greifen die Verbraucherportale für Fluggastrechte auf verschiedene Datenbanken zurück. Sie enthalten Informationen zu früheren Fällen, Wetterinformationen und Daten zu Flughäfen. Besteht ein Anspruch und sehen die Erfolgsaussichten gut aus, übernehmen die Portale den Fall.

Bei der weiteren Vorgehensweise gibt es zwei unterschiedliche Geschäftsmodelle. Zum einen gibt es Portale, die als Inkasso-Dienstleister fungieren. Sie setzen die Forderungen durch und ziehen bei Bedarf bis vor das Gericht, um die Ansprüche auf Entschädigung durchzusetzen. Bei diesen Portalen erhaltet ihr die Entschädigung erst, wenn der Fall geklärt ist. Zum anderen gibt es Verbraucherportale für Fluggastrechte, die eure Forderungen gegenüber der Airline abkaufen. Ihr erhaltet innerhalb weniger Stunden die Sofortentschädigung abzüglich Provision und Mehrwertsteuer. Damit ist der Fall für euch abgeschlossen, egal, wie es letztendlich ausgeht. Die Portale arbeiten in der Regel mit erfahrenen Anwaltskanzleien zusammen. Entweder geben sie die Fälle direkt an die Partneranwälte weiter oder setzen zunächst Mahnschreiben in ihrem Namen auf und setzen die Anwälte erst ein, wenn es zu einer Klage kommt.

Mein Fazit zu den Verbraucherportalen für Fluggastrechte

In jedem Fall ist ein Verbraucherportal für Fluggastrechte hilfreich. Wollt ihr Zeit, Nerven und Kosten sparen, solltet ihr die Dienste dieser Portale in Anspruch nehmen. Allerdings müsst ihr hier mit eventuellen Zusatzkosten bei Gerichtsverhandlungen außerhalb von Deutschland und Österreich sowie bei einer Vertragskündigung rechnen. Grundsätzlich gilt: Lasst die Airlines nicht ohne Entschädigungszahlungen davonkommen! Dafür gelten schließlich eure Fluggastrechte.

In meinem Reisemagazin-Artikel findet ihr mehr Infos zum Thema Fluggastrechte.