Durch das ehemalige KZ Auschwitz gehen, die Sperrzone von Tschernobyl entdecken und die erste Nervenheilanstalt der Welt besuchen – Dark Tourism ist eine außergewöhnliche Art des Reisens, die mit Tragödie verbunden wird. Ich verrate euch, was es mit diesem Phänomen auf sich hat.

Warum tauschen immer mehr Urlauber Dark Tourism gegen einen entspannten Strandurlaub ein? Wie kommt es, dass Touristen ihren hart verdienten Urlaub an Orten des Schreckens und Schauplätzen von Krieg, Tod und Folter verbringen wollen? Ich erkläre euch, was Dark Tourism genau ist und zeige euch die beklemmendsten Orte der Welt.

Alles über Dark Tourism

Erklärung | 10 Dark Tourism Destinationen | Kritik | No-Go’s

Was ist Dark Tourism?

Dark Tourism behandelt eine Art des Tourismus, bei dem geschichtliche Schauplätze mit einer tragischen Vergangenheit im Fokus stehen. Dabei geht es aber, wie fälschlicherweise oft angenommen, nicht um den Nervenkitzel. Gedenkstätten wie Ausschwitz oder das 9/11 Memorial sollen eher lehrreiche und geschichtliche Hintergründe vermitteln – Sensationsgier ist da fehl am Platz. Leider gibt es aber oft Tourismusagenturen, die genau damit Geld verdienen wollen und Touren durch die schlimmsten Gegenden anbieten. Ich verrate euch, wo die Grenzen bei Dark Tourism liegen und warum diese Art des Reisens auf viele Menschen so eine Faszination ausübt.

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Dark Tourist auf Netflix

Besonders durch die aktuell auf Netflix laufende Dokumentationsreihe Dark Tourist wird das Thema immer bekannter. Dort reist ein Reporter an die gefährlichsten Orte der Welt, begibt sich auf die Spuren des Killers Pablo Escobar, geht in das verlassene Gebiet der Nuklear-Katastrophe in Fukushima und auf die Geisterinsel Hashima, streift durch den Selbstmordwald Aokigahara und beobachtet Dämonenaustreibungen in Mexiko.

Gründe für das Phänomen Dark Tourism

Doch warum bezahlen Touristen freiwillig teils hohe Preise, um in Kriegsgebiete oder an Tatorte brutalster Verbrechen zu reisen? Vielen Besuchern hilft es, diese Orte mit eigenen Augen zu sehen und die beklemmende Atmosphäre zu spüren, um sich in die Rolle der Opfer hineinzuversetzen, Geschichten zu verstehen und ihr Mitgefühl zu stärken. Andere suchen solche Orte wiederum auf, um sich mit ihrer eigenen Sterblichkeit auseinander zu setzen. Auch, um sich vielleicht selbst vor Augen zu führen, dass sie unversehrt und in Sicherheit sind – weit weg von dem Schmerz, der an diesen Orten noch spürbar ist.

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10 Dark Tourism Destinationen weltweit

Jedes Land hat seine dunkle Geschichte, weshalb es auch auf der ganzen Welt verteilt düstere Orte gibt, die Schauplätze des Krieges und des Todes wurden. Ich zeige euch ein paar Beispiele – die 10 kontroversesten Dark Tourism Orte.

1. Völkermord: Killing Fields in Kambodscha

Bis vor gerade einmal 40 Jahren herrschte in Kambodscha ein skrupelloses Regime – die Roten Khmer – das alles städtische Leben beenden wollte. Dafür wurde die gesamte städtische Bevölkerung aus ihrer Heimat auf brutalen Gewaltmärschen aufs Land zu sogenannten Killing Fields getrieben.

Am Killing Tree wurden Kinder totgeschlagen.

Dort wurden alle Gebildeten, Lehrer, Ärzte und Studenten erbarmungslos ermordet. Insgesamt starb ein Drittel der Bevölkerung. Auch Babys und Kinder wurden an einem Baum zu Tode geschlagen, an dem ihr heute noch unzählige Armbänder seht, die an das unglaubliche Verbrechen erinnern sollen. Der Horror an dem Gedenkort ist heute noch überwältigend: Zahlreiche Massengräber befördern bei Regen immer wieder Knochen ans Licht. Ein Gang aus wandhohen Glasvitrinen, gefüllt mit Schädeln der Verstorbenen, kann in dem Museum besichtigt werden.

2. Narrenturm in Wien

Als erste Nervenheilanstalt der Welt kann man auch den Narrenturm in Wien in die Kategorie Dark Tourism einordnen. Das runde Gebäude, das bereits im Jahr 1783 errichtet wurde, fungiert heute als Museum und hat eine beachtliche pathologisch-anatomische Sammlung vorzuweisen. Über 50.000 Präparate geben Einblick in die Geschichte der Krankenversorgung, jedoch ist nur ein Teil der Sammlung für die Öffentlichkeit zugänglich.

 

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3. Auschwitz in Polen

Das größte und bekannteste Konzentrationslager der Nazis ist Auschwitz Birkenau in Polen, wo über eine Millionen Menschen, hauptsächlich Juden, ermordet wurden oder an den Folgen von Hunger und Krankheiten starben. Auch grauenhafte, medizinische Experimente wurden hier an lebenden Menschen durchgeführt. Die Gedenkstätte gehört zu den meistbesuchtesten Dark Tourism Destinationen der Welt.

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4. Geisterdorf in Frankreich

Ein weiteres SS-Massaker ereignete sich 1944 in dem französischen Oradour sur Glane. Rund 150 Soldaten umstellten das Dorf, dessen bewohnende Frauen und Kinder in eine Kirche gesperrt und in Brand gesetzt wurden, wohingegen die Männer des Dorfes erschossen und ebenfalls verbrannt wurden. Nur sechs Personen überlebten, während das restliche Dorf komplett ausgerottet und verwüstet wurde. Die Ruinen scheinen heute noch wie gerade verlassen, rostige Fahrräder und Autos stehen herum, in den Häusern findet ihr Nähmaschinen und Fotos, die an die Verstorbenen erinnern sollen.

 

5. Frankreichs größtes Schlachtfeld

Auch Verdun liegt in Frankreich, wo vor vielen Jahren 300 Tage lang Soldaten verbissen gegeneinander kämpften und ca. 300.000 von ihnen ihr Leben ließen. Ein Meer aus weißen Kreuzen erinnert an jeden einzelnen von ihnen. Für viele Besucher ist die Besichtigung des stillen, bedrückenden Ortes wichtig, um zu verstehen wie wertvoll und alles andere als selbstverständlich der heutige europäische Zusammenhalt und Frieden ist, im Gegensatz zu den blutigen und sinnlosen Kriegen.

6. Terror in Amerika

Viele von uns haben noch die Bilder von den brennenden, eingestürzten Türmen des World Trade Centers in New York aus den Nachrichten im Kopf, in deren Trümmern fast 3.000 Menschen ums Leben kamen. Der Anschlag gilt als einer der größten der Geschichte, weswegen der Ort des Schreckens zu einer großen Gedenkstätte, dem Ground Zero, ausgebaut wurde, den viele bei ihrem Spaziergang durch New York besuchen. Als Dark Tourists bekommt ihr hier bei Workshops die Möglichkeit, mit Angehörigen und überlebenden Opfern zu sprechen und Fotos der Bergungsarbeiten sowie Überbleibsel aus den Büros anzuschauen. Das unfassbare Unglück soll euch so greifbarer gemacht werden.

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7. Vulkanausbruch in Italien

Nicht nur Menschen können brutal sein, auch Naturkatastrophen fordern immer wieder Menschenleben.

Meterhoch wurden Stadt und Menschen unter Glut und Gestein begraben.

So brachte zum Beispiel der gigantische Vulkanausbruch im Jahr 79 n. Chr. 16.000 der 20.000 Einwohner Pompejis ums Leben. Diese starben in den heißen Glutwolken qualvoll und wurden mitsamt der Stadt zwölf bis 20 Meter hoch von Vulkanasche und Gestein begraben. Durch die Gesteinsschicht ist Pompeji heute eine der besterhaltensten Städte der Antike, die mittlerweile durch Ausgrabungen freigelegt wurde und zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Italiens gehört. Von dem jahrhundertealten Schutz befreit, leiden die Ruinen jetzt unter den zahlreichen Besuchern. Besonders fasziniert sind diese von den Leichenfiguren, die beim Ausgraben aus Gips entstanden, der in Hohlräume des Lavagesteins gekippt wurde.

8. Verstrahlte Geisterstadt in der Ukraine

Die Katastrophe in Tschernobyl war der erste nukleare Unfall dieses Ausmaßes, die schwere gesundheitliche, teils tödliche Folgen für viele Menschen mit sich brachte. Kaum vorstellbar, dass heutzutage Touristen freiwillig in das immer noch verstrahlte, verlassene Gebiet reisen. In geführten Touren werdet ihr durch die evakuierten Wohnhäuser der Geisterstadt Prypjat geführt, könnt mit ehemaligen Bewohnern sprechen und bekommt sogar Zutritt in die Sperrzone und das Kernkraftwerk.

Guru Tipp: Die junge Organisation chernobylwel.com bietet verschiedenste Touren an, die je nach Umfang und Dauer zwischen 99€ und 429€ kosten, wovon ein Teil direkt an krebskranke Kinder und Babuschkas (Omas) von Tschernobyl gespendet wird. Das Team möchte die zerstörte Stadt wieder aufbauen und Zurückkehrende unterstützen.

9. Atomangriff auf Japan

Auch in Japan kam es zu einer Nuklearkatastrophe, hier allerdings durch Menschen ausgelöst, die im Krieg 1945 die erste Atombombe abwarfen. 200.000 Einwohner kamen durch die Explosion oder spätere Folgen ums Leben. Verstrahlt ist das Gebiet heute nicht mehr sonderlich, hier floriert heute wieder eine lebendige Großstadt. Allein die Ruine, die sogenannte Atombombenkuppel, erinnert heute als Friedensdenkmal Hiroshima an die einstige Zerstörung. Ein bedrückender und gleichzeitig lehrreicher Ort.

10. Selbstmordwald in Japan

Ein weiterer Ort in Japan, der langsam immer öfter Dark Tourists anzieht, ist der gespenstische Wald Aokigahara am Fuß des Fuji Vulkans, einer der gruseligsten Orte der Welt. In dem dichten, dunklen Wald kann man schnell die Orientierung verlieren und im Dickicht auf einige kalte Höhlen stoßen.

Der verfluchte Wald lockt Menschen in den Tod.

Nach einer japanischen Legende ist der Wald verflucht und angeblich von Yürei-Geistern bewohnt, die Besucher zum Selbstmord drängen und somit in den Tod locken wollen. Durch solche Geschichten ist der Wald tatsächlich zu einem anziehenden Ort für Lebensmüde geworden. Immer wieder werden Leichen im Wald gefunden, weshalb er auch als Selbstmordwald oder Suicide Forest bekannt ist.

Lehrreicher Tourismus oder geschmacklose Sensationslust?

Hat es auch euch in den Bann gezogen und ihr seid fasziniert von den geschichtsträchtigen, traurigen Orten? Oder schreckt euch die Vorstellung ab, freiwillig Tatorte von unbeschreiblichen Gräueltaten zu besuchen? Dark Tourism ist eine heikle Gratwanderung: Viele Menschen finden es unmöglich, dass mit dem Leiden Verstorbener heute noch Geld gemacht wird und sich viele Touristen sich an solchen Orten oft taktlos verhalten. Doch andere halten an der Notwendigkeit lehrreicher Gedenkstätten fest. Wenn ihr euch dazu entscheiden solltet, mal einen solchen Ort zu besuchen, gibt es ein paar wichtige Dinge zu beachten.

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Touristengruppe in den tragischen Ruinen in Pompeji | Foto: iStock.com/Raylipscombe

No-Go’s und richtiges Verhalten

Haltet unbedingt von Touren Abstand, bei denen das Leiden keinerlei geschichtliche Bedeutung hat. Dazu gehören etwa Slum-Touren, bei denen Touristen in Scharen durch die schlimmsten Armenviertel gekarrt werden und die im Dreck lebenden Kinder wie Tiere im Zoo angeschaut und fotografiert werden. Fairerweise muss man sagen, dass es auch sehr gute Touren gibt, bei denen die Bewohner selbst ihr Leben im Slum vorstellen und von dem Erlös profitieren.

Lasst Handys in der Tasche – die Eindrücke vergesst ihr nie

Was leider auch vorkommt, ist unangemessenes Verhalten der Touristen wie etwa fröhliche Selfies zu schießen, an Orten, an denen Menschen ums Leben kamen und Verbrechen herrschten. Zeigt Respekt gegenüber der Opfer und macht unbedingt andere Touristen darauf aufmerksam, falls ihr so ein Verhalten beobachtet. Informiert euch schon im Voraus über die grobe Geschichte, kleidet euch angemessen und verhaltet euch vor Ort ruhig und zurückhaltend. Lasst Handys und Kameras in der Tasche – diese Erlebnisse werdet ihr sowieso nie vergessen.

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Wie ihr merkt, gibt es zahlreiche spannende und traurige Orte, die an furchtbare Geschehnisse erinnern. Über den aufkommenden Dark Tourism scheiden sich die Geister: Jedem ist selbst überlassen, ob diese Art des Reisens vertretbar ist oder nicht. Was denkt ihr darüber? Lasst es mich in den Kommentaren wissen und nehmt an meiner Umfrage teil!

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